Verabschiedung von Pastor Edelmann

Zur Verabschiedung von Pastor Jens-Arne Edelmann aus unseren Gemeinden werden wir am Sonntag, den 23. August 2020 gemeinsam einen Abschiedsgottesdienst in Wollershausen feiern. Dieser findet neben dem Dorfgemeinschaftshaus (Siedlungsstraße) unter freiem Himmel statt. Der Beginn ist um 16:00 Uhr. Im Anschluss an den Gottesdienst wird es ein Beisammensein und einen Imbiss im Dorfgemeinschaftshaus (unter Corona-Bedingungen) geben. Denken Sie von daher bitte an eine Mund-Nasen-Bedeckung. Sie alle sind herzlich zu diesem Abschiedsgottesdienst eingeladen!

Andacht aus dem Gemeindeboten August/September 2020

Sie winkte mir vor ein paar Tagen freundlich von der anderen Straßenseite der Marktstraße in Gieboldehausen zu und ich dachte an vieles, was wir miteinander erlebt hatten: die Zeiten mit ihren Kindern, die Zeiten, in denen ihre Kinder im Konfirmandenunterricht waren. Mit der Familie hatte ich dunkle Zeiten erlebt, aber auch schöne Zeiten wie Geburtstage oder andere Feste. Einmal stand sie bei uns vorunserer Tür, um sich zwischendurch einfach nur zu bedanken.

Als ich vor 20 Jahren mit meiner Frau und unseren beiden noch kleinen Kindern, die zwei und vier Jahre alt waren, nach Gieboldehausen und Wollershausen kam, wusste ich nicht, was alles in der folgenden Zeit geschehen würde. Ich hatte nur Eindrücke vom Kirchenvorstand und von der hilfreichen Aufnahme durch Pastor Reinhard Sorge und seiner Frau gewonnen. Dann traf ich so manchen Menschen, der erst einmal abwartete, weil er mich nicht kannte, ich aber ebenso abwartete, weil ich ja auch niemanden kannte. Bei einem der ersten Besuche schwiegen plötzlich alle an der Kaffeetafel, als ich den Raum betrat, weil keiner so recht wusste, was er mit dem neuen Pastor reden sollte. Bei späteren Besuchen war Gott sei Dank das Eis gebrochen.

Wenn ich an unseren Abschied aus den Gemeinden in Gieboldehausen und Wollershausen denke, geht mir vieles durch den Kopf: die vielen Sonntagsgottesdienste, die wir miteinander gefeiert haben. Die vielen Begegnungen bei Ihnen und Euch zuhause. Die Treffen immer wieder beim Einkaufen oder wo auch immer. Die Gottesdienste in unseren sieben Orten. Die ökumenischen Gottesdienste und Prozessionen. Die Baumaßnahmen wie die Einbauten der Heizungen, den Einbau der Illumination in Gieboldehausen, die Renovierung des Hauses der Begegnung in Wollershausen oder des Pfarrhauses in Gieboldehausen. Die Glockengruppe in Wollershausen habe ich vor Augen, die sich jetzt um die neuen Glocken im Ort kümmert. Die guten Zeiten mit den Schulen, den Vereinen, mit Vertretern aus der Politik oder anderen Bereichen des öffentlichen Lebens. Die Fahrten über die Dörfer zu Besuchen. Trauungen, Taufen, Jubiläumsgottesdienste, Karnevalsgottesdienste. Die vielen Kirchenvorstandssitzungen. Die viele Arbeit im Hintergrund eines Pfarramtes und Büros, von der nur wenige wissen. Die guten Sitzungen der Stiftung. Unsere Feste zum 125. Jubiläum der Kirche in Gieboldehausen, die 950. Jahrfeier in Lütgenhausen, das Stiftungsfest 2015. Aber auch das Ortsjubiläum in Gieboldehausen im Jahre 2003, in dem unsere Kinder mit Theater gespielt haben. Die Unterstützung durch engagierte Ehren- oder Nebenamtliche nicht nur aber auch beim Verteilen des Gemeindebriefs. Ohne all die wunderbaren Menschen, die unserer Gemeindeleben bereichert haben, wäre unsere Zeit nicht so eine gute Zeit gewesen. Schöne Gottesdienste mit Chor und Flötengruppen, mit Jugendlichen, Kindern oder älteren Gottesdienstbesuchern. Hauseinweihungen oder viele andere Einweihungen. Die Mutter-Kind-Gruppe meiner Frau. Die Taufen der Geflüchteten. Die gemeinsamen Abschiede von Menschen, die zu uns allen gehört haben. Die vielen, vielen ökumenischen Gottesdienste und Begegnungen. Die wöchentlichen Treffen mit den Konfirmanden und Konfirmandinnen. Die Anteilnahme vieler an meiner Promotion. Begegnungen mit so manchem Hilfesuchenden an unserer Tür. Die vielen Spaziergänge und Radtouren, die ich mit meiner Frau aber auch mit unseren Kindern hier in der Gegend gemacht habe. Die Zeiten mit Melanie Brockmann im Büro. Ach, ich könnte noch vieles nennen: die Zeiten zum persönlichen Gespräch in unseren Kirchen, die vielen Freizeiten und schöne Treffen der Gemeindenachmittage, des Bibelkreises oder anderer Gruppen.

Mir kommen all die vielen, vielen Begegnungen und Erlebnisse wie große Geschenke vor, mit denen Gott unser Leben bereichert hat. Ich denke gern an sie zurück. »Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde«, schreibt uns der Prediger im dritten Kapitel seinen Buches und er setzt unter anderem fort:

»Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit; weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit.«

Viele dieser Zeiten habe ich mit vielen von Ihnen gemeinsam erlebt. Welch ein Segen so viel Leben im Lichte Gottes miteinander geteilt zu haben.

An Sie und Euch denke ich mit großer Dankbarkeit und freue mich, dass wir diese reiche Zeit zusammen erlebt haben. Aber ich bin auch traurig. So viel vertrautes Miteinander werde ich wohl in den Jahren auf meinem Lebensweg nicht mehr erleben. Vor ein paar Wochen verabschiedete sich jemand von mir mit den Worten: Bleiben Sie dankbar. Das bin ich zutiefst. Gerade deshalb wünsche ich Ihnen von Herzen, dass unsere Gemeinden weiterhin so lebenswerte und liebenswerte Orte und Gemeinschaften bleiben. Ich weißnicht, wann jemand Neues zu Ihnen kommt. Ich kann Sie und Euch als Gemeinden eventuellen Bewerbern oder Bewerberinnen aus ganzem Herzen empfehlen.

»So jemanden wie Sie werden wir sicher nicht wieder bekommen«, sagte neulich eine Dame zu mir. Sie hatte recht, so jemanden wie mich nicht. Aber jemanden anderen, der so sein wird, wie er oder sie eben ist. Begegnen Sie ihm oder ihr mit den gleichen offenen Herzen, wie Sie mir begegnet sind. Dann kann vieles gut werden. 

Am Sonntag, dem 23. August, werde ich um 16:00 Uhr mit einem Gottesdienst aus beiden Gemeinden verabschiedet. Wir feiern auf dem Platz neben dem Dorfgemeinschaftshaus in Wollershausen. Dann schließt sich ein Beisammensein mit Imbiss unter Corona-Bedingungen im Dorfgemeinschaftshaus an. Bringen Sie also bitte eine Mund-Nasen-Bedeckung mit.

Ich freue mich auf unser letztes Beisammensein!

Ihr Jens-Arne Edelmann
Pastor